20 Jahre mit Solarcentury: Fragerunde mit Gründer Jeremy Leggett

Jeremy Leggett

Dieses Jahr feiert Solarcentury sein 20-jähriges Bestehen. Zur Feier dieses Meilensteins haben wir mit Gründer Jeremy Leggett gesprochen.

F: Solarcentury wird diesen Monat 20. Wie fühlen Sie sich als Unternehmensgründer dabei?

Stolz, dankbar und glücklich. Es ist eine absolute Seltenheit, dass ein Solarunternehmen nach 20 Jahren noch am Leben und sogar relativ gesund ist, und das auf diesem brutalen Markt, der viele Höhen und Tiefen durchmachen musste – größtenteils durch die ständige Untergrabung der Rückzugsgefechte der alteingesessenen Energieakteure. Die Tatsache, dass wir uns behaupten konnten, ist der harten Arbeit, dem Durchhaltevermögen und der Geduld der Hunderten talentierten und engagierten Mitarbeiter im Laufe der Jahre zu verdanken. Aber ich mache mir nichts vor. Wir hatten auch unglaubliches Glück.

F: Was macht Ihre Mitarbeiter besonders?

Die Frage ist nicht ganz fair, wenn ich sie nicht in 10.000 Wörtern beantworten darf. Ich konzentriere mich auf die Führungskräfte. Ich hatte im Laufe der Jahre viel Glück mit den Führungskräften. Sie können die Geschichte des Unternehmens in vier Phasen unterteilen. Die erste war von 1998 bis 2007 und umfasste den Kampf durch das „Tal des Todes“ von Cash-Burning bis zur Profitabilität und unseren ersten eigenen Solardachsystemen. Nach der durch das Platzen der Dotcom-Blase 2000 ausgelösten Rezession befanden wir uns in einem harten wirtschaftlichen Umfeld. Ich führte durch diese Phase mit Schwierigkeiten und viel Hilfe von meinem CFO Neil Perry, der heute noch im Unternehmen ist. Neil war in dieser Phase wirklich unternehmenskritischer Co-Leiter.

Die zweite Phase von 2007 bis 2012 war der zweite Investitionszyklus und der Anstieg zur Profitabilität unter Leitung von Derry Newman, dem ehemaligen Geschäftsführer von Sony in Großbritannien. Auch er musste nach der Kreditkrise von 2007 und dem Finanz-Crash von 2008 mit schrecklichen wirtschaftlichen Bedingungen kämpfen.

Die dritte Phase unter Leitung von Frans van den Heuvel dauerte von 2012 bis 2014 an und war von spektakulärem Wachstum geprägt, insbesondere aufgrund britischer Solarparks. Die vierte Phase begann 2015 und dauert an. In diese Phase fällt der Übergang des Unternehmens zu einem internationalen Projektentwickler und einer Solarenergie-Dienstleistungsplattform. Frans hat das alles geleitet.

Tolle Führungskräfte wie Neil, Derry und Frans stellen tolle Mitarbeiter ein, die wiederum ebenfalls tolle Mitarbeiter einstellen. Ich glaube, das macht die Geschichte unserer Mitarbeiter aus.

F: Was hat es mit dem Glück auf sich?

Neben der Verfügbarkeit solcher Mitarbeiter, wenn wir sie brauchten, ging es auch um die Kapitalbeschaffung. Das Unternehmen durchlief vier Runden von Risikokapital-Investitionen, die alle in meine Zeit als CEO fielen und insgesamt 28 Mio. Pfund erzielten. Die erste Runde kam 2000 kurz nach Platzen der Dotcom-Blase und brachte 8 Mio. Pfund ein. Die vierte hatte einen Umfang von 13,5 Mio. Pfund und wurde nur wenige Wochen vor dem Einfrieren der Kreditmärkte 2007 fertiggestellt. Viele gute Unternehmen hatten nach der Kreditkrise kein Geld mehr und gingen unter. Wir hatten ein Geldpolster, das ihnen fehlte.

F: Wie hat sich das Unternehmen im Laufe der Jahre verändert?

Es ist immer professioneller und kommerzieller geworden, was zu erwarten ist. Schon seit Jahren muss ich, wenn ich die Geschäftsleitung bei der Arbeit beobachte, an vom Kampf abgehärtete Elitesoldaten im Krieg denken. Es beeindruckt mich, wie ruhig und widerstandsfähig sie für sich und gemeinsam auch bei mörderischem Druck sind. Zwei große Dinge haben sich jedoch nicht geändert. Erstens neigen die Teammitglieder auf jeder Ebene weiterhin dazu, Professionalität mit Spaß abzuwechseln. Es ist ein Klischee, aber „Work hard, play hard“ war schon immer ein Merkmal dieses Unternehmens.

Zweitens wird das Personal weiter stark durch die soziale Bestimmung des Unternehmens motiviert. 5 % unseres Nettogewinns spenden wir jedes Jahr an SolarAid, eine Wohltätigkeitsorganisation, die wir 2006 gegründet haben. Und das Team sammelt zusätzliche Spenden auf unterschiedlichste Art, vielleicht vor allem durch gesponserte Fahrradrennen und Wettläufe. Viele im Team beteiligen sich daran.

F: Was hat Sie dazu inspiriert, das Unternehmen zu gründen?

Die Angst vor dem Klimawandel. Diese Angst spürte ich zum ersten Mal 1989 so stark, dass ich eine neue berufliche Laufbahn eingeschlagen habe. Ich habe meine akademische Karriere hinter mir gelassen, um als Umweltaktivist tätig zu werden. Nach über acht Jahren bei Greenpeace, wo ich vor allem im Bereich Klima arbeitete, wurde ich Solarunternehmer. Ich sehe diesen Beruf lediglich als eine andere Form der Klimakampagnenarbeit: eine erweiterte, gewaltfreie direkte Maßnahme in einem funktionsgestörten Markt, der – auf sich alleine gestellt – den Planeten zum Kochen bringen würde.

F: Was waren die größten Herausforderungen auf dem Weg?

Eine ständige Herausforderung war der harte Kampf gegen die Rückzugsgefechte der großen Energieunternehmen und ihrer Vertreter in der Regierung. Neuerdings deutet alles auf einen Wandel hin, vor allem in der Versorgungsindustrie, aber auch im Bereich Erdöl und Gas. Wer aber vorsätzlich langsam war, trägt eine große Verantwortung. Einige von ihnen werden vor den Gerichten der Welt vielleicht noch dafür bezahlen. Ich bräuchte lange, um das auszuführen, und das habe ich bereits in den vielen Büchern, die ich geschrieben habe, getan, allen voran „The Carbon War“ (für den Zeitraum 1989 bis 2000), „Half Gone“ (für den Zeitraum 1997 bis 2005), „The Energy of Nations“ (für den Zeitraum 2003 bis 2013) und „The Winning of The Carbon War“ (für den Zeitraum 2013 bis 2017).

F: Erzählen Sie uns mehr über die Internationalisierung des Unternehmens. Wie ist es dazu gekommen?

Sie begann schon zu Beginn der Unternehmensgeschichte mit der Einrichtung von Niederlassungen in Frankreich und Spanien in der ersten und Italien in der zweiten Phase. Aber damit kann ich meine Aussage über die vorherrschenden Akteure unterstreichen. Nach Anfangserfolgen mussten alle diese Niederlassungen geschlossen werden. In jedem Fall lag es an unterschiedlichen Regierungsumkehrungen zu den Einspeisetarifen. Ein Einspeisetarif ist eine Art Subvention, die die Unterstützung regelmäßig, vorhersehbar herunterfahren soll, wenn die Preise fallen, damit Unternehmen vorausplanen können. Fast überall haben Regierungen zu unterschiedlichen Zeiten der Lobbyarbeit dieser Akteure für Kürzungen dieses Tarifs nachgegeben, was zu Ertragsklippen geführt hat, von denen viele Solarunternehmen gestürzt sind. In Großbritannien geschah das 2011 während der Koalition und dann erneut, als die Tories alleine regierten.

Die Internationalisierung von Solarcentury war ein unvermeidlicher Bestandteil unseres Strebens nach Wachstum, aber auch eine dringende Notwendigkeit angesichts der Tatsache, dass die britische Regierung lieber Schiefergas und Atomkraft subventioniert und vorsätzlich einige erneuerbare Energien sabotiert, damit die Lieblinge ihren Platz behalten. Solarcentury hatte das Glück, über Kapital für die Expansion in andere Länder zu verfügen. Bei anderen Solarunternehmen war das nicht der Fall. Sie mussten sich auf den inländischen Markt konzentrieren und gingen daraufhin unter.

F: Was sind Ihre drei besten Erinnerungen?

Nur drei? In 20 Jahren! Bitte schauen Sie sich die Präsentation an, die ich über die Geschichte des Unternehmens aus meiner Sicht angefertigt habe. Viele schöne Erinnerungen springen aus diesen Seiten hervor, wie ich hoffe.

F: Was kommt als nächstes – sowohl für das Unternehmen Solarcentury als auch für Sie persönlich?

Wir haben große Gelegenheiten vor uns, müssen aber auch Herausforderungen bewältigen. Auf kurze Sicht müssen wir die aufgebaute Projektpipeline ausführen und darauf weiter aufbauen. Ich versuche, dem Vorstand so gut wie möglich als Berater und natürlich als Vorstandsmitglied zur Seite zu stehen. Das sollte sich auf kurze Sicht nicht ändern. Längerfristig möchte ich gerne mehr schreiben und als „Experte“ für alle Menschen auftreten, die sich für Klimawandel, saubere Energie, die verantwortungsvolle Nutzung von Technologie im Allgemeinen und somit die Zukunft der Zivilisation interessieren. Das ist nämlich der Bereich, in dem Solarcentury tätig ist: die auf mehrere Bereiche ausgelegte Mission, die Zukunft der Zivilisation zu schützen.

Lesen Sie hier mehr über Solarcenturys 20-jähriges Jubiläum.