Die Entwicklung unserer Solarparks in Märkten ohne Subventionen

Peer Piske

Dr. Peer Piske, Direktor für Geschäftsentwicklung, EMEA

Wir haben kürzlich unsere Entscheidung bekannt gegeben nach Italien zu expandieren und damit in unseren elften internationalen Markt. Genau wie andere Länder in Europa benötigt auch Italien keine Subventionen mehr für Solarenergie und damit wird das Land immer interessanter für Investoren.

Für die Solarindustrie beginnt eine neue Ära, denn die lange erwartete, subventionsfreie Sonnenenergie wird zur neuen Realität.

Seit langem geht man schon davon aus, dass subventionsfreie Sonnenenergie das Tor für einen Masseneinsatz von Solaranlagen öffnet. Diese neue Marktsituation beeinflusst nun auch maßgeblich den Entwicklungsansatz für Projekte. Durch die neue wirtschaftliche Realität ändert sich sowohl das Risikoprofil für Investoren als auch die Auswahl und Gestaltung der Projekte. Große Solarparks werden für die Versorgungsunternehmen zum neuen Standard.

In Großbritannien beginnt der Wandel gerade erst aber in Märkten wie Spanien ist subventionsfreie Solarenergie bereits Realität. Solarcentury befindet sich gerade in der Planungsphase für 300-MWp- bzw. 200-MWp-Projekte in Spanien. Sie dienen als Modell dafür, wie unsere Neuausrichtung auf Märkte mit geringerer Abhängigkeit von staatlichen Subventionen unseren Entwicklungsansatz grundsätzlich verändert haben.

Erstens ist das finanzielle Risikoprofil für Investoren vollkommen anders. In den letzten zwei Jahren konnte man beobachten, wie viele Fremd- und Eigenkapitalanleger eine steile Lernkurve durchlaufen haben, um zu entscheiden, welches Risiko sie bei diesem neuen Modell eingehen werden und welches nicht.

Investoren müssen u. a. festlegen, wie sie ihr Risikomanagement auf den ständig wachsenden Anteil an Solarstrom im Netz einstellen und was für eine Auswirkung dieser deutliche Anstieg an Kilowattstunden auf ihre Spotpreise haben wird (Risikoprofil von Solaranlagen).

Eigenkapitalinvestoren sind mittlerweile auf dem neuesten Kenntnisstand und die Banken haben ihre Risikobereitschaft ausgelotet; diese Risikobereitschaft ist oft von Bank zu Bank und von Land zu Land unterschiedlich. Es ist wichtig, im Vorfeld mit allen finanziell interessierten Parteien zu sprechen und so einen vollständigen Überblick über alle Erwartungen in Bezug auf Stromabnahmeverträge (PPA), Verschuldung und IRR zu erhalten.

Zweitens verändert sich die Auswahl und Gestaltung von Projekten und das hat wiederum Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Entwickler Chancen bewerten. Ohne den Puffer von regelmäßigen Regierungszuschüssen wird das Modell sensibler und Projekte müssen in Hinsicht auf Investitions- und Betriebskosten deutlich vorsichtiger verwaltet werden.

Um die notwendigen Skaleneffekte zu erzielen, müssen die Anlagen eine entsprechende Größe haben. Laufende Kosten wie Grundstücksmieten und Betriebskosten können die effektive Verzinsung des eingesetzten Kapitals (IRR) empfindlich schädigen, wenn sie nicht genauestens verwaltet werden. All das beeinflusst den Entscheidungsprozess und Solarcentury schließt heute viel mehr Projekte von der Entwicklung aus, als in den Jahren zuvor.

Um die erforderliche Genauigkeit für ein Modell und eine Prognose für das geplante System erstellen zu können, benötigt man die Expertise aller am Projekt beteiligten Fachbereiche von Beginn an. Die Teams von Ingenieuren, Einkäufern, Projektleitern, Asset-Managern und vom Datenmanagement leisten mit ihrem Fachwissen einen erheblichen Beitrag zur Planung. Ohne diesen multidisziplinären Ansatz kann man sich kaum vorstellen, wie ein reiner Entwickler die erforderliche Präzision erreichen kann, die für ein Modell und einen Entwicklungsplan mit solch engen Parametern erforderlich ist.

Als Beispiel dafür, wie diese Zusammenarbeit sich auszahlt, steht Solarcenturys Beschaffungsteam, das vor zwei Jahren zusammen mit unseren Zulieferern an einer Roadmap gearbeitet hat mit dem Ziel festzustellen, welche Produkte wir in den Jahren 2019/20 für den Bau unserer Anlagen verwenden sollten. Mit dem Ergebnis hat unser Ingenieurteam die Solarparks Talayuela und La Cabrera entwickelt und dafür Produkte verwendet, die in der Gestaltungsphase noch nicht verfügbar waren – für mehr Effizienz und einen sehr genauen Überblick über die Leistung der Systeme; unerlässliche Voraussetzungen für eine langfristige Investitionsplanung.

Ein anderer wichtiger Interessenvertreter bei subventionsfreier Solarenergie ist der Stromabnehmer bzw. -käufer. In diesem Bereich verändert sich der Markt ebenfalls rasant, wobei sowohl Versorgungsunternehmen als auch Unternehmen mit Interesse an einer PPA-Beteiligung ein hohes Maß an Engagement und Raffinesse zeigen. Versorger-PPA sind auf der iberischen Halbinsel beliebter wohingegen in Nordeuropa mit einer größeren Industrialisierungsrate Unternehmens-PPA eher die Norm sind.

Der neue Entwicklungsansatz für unsere Systeme in Spanien zahlt sich nicht nur dort aus, sondern ist zudem die Roadmap für subventionsfreie Solarentwicklungen für weitere Schlüsselmärkte: Großbritannien, Italien und Deutschland. Wir haben gelernt, und lernen auch weiterhin, wie man in dieser neuen Welt operiert, in der der Schlüssel zum Erfolg in unserm Engagement im Vorfeld liegt – zusammen mit den Investoren, Stromabnehmern und dem End-to-end-Team von Solarcentury.