Ein Tag im Leben von: Jan Muller – Technical & Asset Management Director

Jan Muller ist einer der erfahrensten Solaringenieure weltweit. Er schildert uns seinen Weg durch die Solarbranche und erzählt uns von seinem Leben als Solarcenturys Technical & Asset Management Director.

Wie lange arbeiten Sie schon im Solarsektor?

Ich arbeite bereits seit 1994 im Solarsektor, insgesamt also seit 25 Jahren, 19 davon bei Solarcentury.

Das erste Projekt, an dem ich beteiligt war, war eine EU-Initiative zur Installierung von über dreihundert Systemen für individuelle Häuser auf Tongas äußeren Inseln. Das war zu der Zeit eines der größten Projekte überhaupt und eine tolle Erfahrung für mich.

Warum die Solarbranche?

Ich habe zuerst in der Agrarwirtschaft gearbeitet und mich dann in den frühen ’90er-Jahren im Königreich Tonga als Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums wiedergefunden.

Auf diesen entlegenen und umweltgefährdeten Pazifikinseln habe ich mich mit Wasserförderung für Bewässerungssysteme beschäftigt. Solarpumpen waren eindeutig die geeignete Lösung. Ein Überschwappen von Diesel oder Öl über die Brunnen war damit ausgeschlossen und Diesel für den Transport brauchte man auch nicht; eine einfache Rechnung. Eine sehr verlockende Kombination, aber die höheren Anfangskosten waren eine echte Herausforderung.

Messe in Tonga, 1994

Danach ging es weiter mit Solarsystemen für Häuser – ein paar Module, ein Akku, ein Aufladeregler und vier Leuchten; Navigationshilfen, die für die verstreuten Pazifikinseln zur Kennzeichnung von Riffen und zum Einfahren in die Hafenkanäle wichtig waren.

Im Jahr 2000 kehrte ich ins Vereinigte Königreich zurück und stellte fest, dass meine Erfahrung tatsächlich nützlich war. Damals fing ich bei Solarcentury an.

Wie hat sich die Branche in den letzten 25 Jahren verändert?

Sie hat sich enorm verändert. Die ersten Projekte, an denen ich mitgearbeitet habe, waren 120Wp-Systeme für Häuser. Mittlerweile arbeiten wir an 300MWp-Parks (2,5 Millionen mal so groß).

Die vielleicht größte Veränderung seit den ’90er-Jahren ist, dass Solarenergie sich rasant zu dem günstigsten Energielieferanten entwickelt – und die Kosten werden weiter sinken. Solarparks sind jetzt schon billiger als Kohle- und Gaskraftwerke. Laut der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien (IRENA), sind die Kosten seit 2010 um 73% gesunken.

Mit unseren Projekten generieren wir jährlich mittlerweile Strom für die Versorgung von 410.000 Haushalten und wir erwarten eine Steigerung um das Vierfache in den nächsten zwei Jahren.

Wir leben wirklich in aufregenden Zeiten und ich bin stolz darauf, dass wir etwas bewirken.

Warum sind Sie 19 Jahre bei Solarcentury geblieben?

Gute Frage. Wie in jedem Unternehmen und jedem Job gibt es Höhen und Tiefen aber die fortwährende Veränderung und Entwicklung in meiner Arbeit interessiert mich nach wie vor und ist eine Herausforderung für mich.

In diesen 19 Jahren war ich Projektleiter, Ingenieur, Head of Engineering, Director of Engineering, technischer Direktor, ich habe das Kundendienstteam sowie Installations- und Außendiensttechnikerteams aufgebaut. Dazu einzelne Länderteams, Design-Teams, Datenanlyse-Teams und nun das Asset Management Team. Also habe ich im Grunde von allem etwas gemacht!

Das Team und die Atmosphäre bei Solarcentury sind großartig. Dadurch geht es immer weiter voran und die Arbeit macht Spaß.

Solarcentury hat kürzlich damit begonnen, Solarenergie als Asset zu verwalten. Was ist der Unterschied zu früheren Geschäftspraktiken?

Der Unterschied ist nicht sehr groß. Tatsächlich verknüpfen wir unsere Fähigkeiten und Erfahrungen, um beim Betrieb der Photovoltaikanlagen ihr maximales Potenzial zu erreichen.

Es ist toll, diesen Wandel vollziehen zu können und zu sehen, wie all das Wissen und die Erfahrung zusammenkommen.

Was macht ein Technical & Asset Management Direktor und sein Team eigentlich?

Wir verwenden Daten und Erkenntnisse aus dem Management von Solarparks, um erst einmal zu erfahren, wie sie geplant und gebaut werden. Ein Beispiel dafür ist, dass wir uns entschieden haben, mit kleinen Stringwechselrichtern zu bauen und nicht mit großen Zentralwechselrichtern. Stringwechselrichter können schnell ausgetauscht werden, sind einfach zu warten und der Außendienst benötigt nicht so viel technisches Know-how. Durch die hohe Verfügbarkeit unserer Solarparks können wir die Erträge deutlich erhöhen.

Trotzdem wäre eine Verwaltung so großer Solarparks, wie wir sie derzeit entwickeln, ohne passende digitale Strategie nicht möglich. Im 300MWp-Solarpark Talayuela, den wir in Spanien entwickeln, werden wir 2.500 Stringwechselrichter installieren. Die riesigen Datenmengen, die bei dieser Anzahl an Wechselrichtern generiert werden, kann man natürlich nicht mit einer Excel-Tabelle verwalten. Unser Team lässt daher Phyton-Skripte laufen und setzt Machine Learning ein, um unser Solarpark-Portfolio zu optimieren.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass die Kombination aus unserer Erfahrung, unserem anhaltenden Interesse, der Anwendung von Fachkenntnissen und fortschrittliche Analysen dazu führen, dass ein Solarpark ein wertvolles Gut wird.

Sie sind seit 25 Jahren in Bereich erneuerbare Energien tätig. Wie hat das Ihr Privatleben beeinflusst?

Es hatte auf jeden Fall einen positiven Einfluss. Ich ziehe meine Motivation jeden Tag aus dem Wissen, dass ich aktiv an sauberen Energien für die Zukunft arbeite. Das treibt mich an.

Die Reaktion der Gesellschaft hat sich allmählich verändert und hat auch immer den Zeitgeist wiedergespiegelt. Die Menschen haben jetzt eine positive Einstellung. Am Anfang wurde ich allerdings als langhaariger Öko-Hippie verspottet, was vermutlich während meiner langhaarigen Öko-Hippie-Phase in Tonga gerechtfertigt war!

Jan und seine Tochter

Wie entspannen Sie sich?

Ehrlich gesagt mag ich jeden Sport im Freien. Früher war ich nach der Arbeit Kayaken oder Windsurfen im Pazifik; jetzt fahre ich sehr oft Rad. Ein kurzer Radausflug mit den Kindern ist leichter, als im Vereinigten Königreich zu surfen, obwohl ich in den letzten 19 Jahren nur 30 Minuten vom Strand entfernt gewohnt habe.

Der Wechsel zum Radsport war praktisch und durch Solarcentury-Events wie dem Dragon Ride und der ETape du Tour wurde er zu einer Leidenschaft – ein gutes Ergebnis!

Letzte Frage: Wie sieht die Zukunft in der Solarbranche aus?

Beim Übergang in eine elektrische Zukunft, in der Häuser elektrisch beheizt werden und Benzintankstellen der Vergangenheit angehören, werden wir weltweit immer mehr Solar- und Windenergie sehen. Bei Solarcentury glauben wir, dass die Welt bis 2030 größtenteils mit sauberer Solarenergie betrieben wird.

Mein Team und ich haben immer daran geglaubt, dass eine weltweite Umstellung auf Elektrizität als Hauptenergieträger und die flächendeckende Verwendung von Solarenergie einen maßgeblichen Einfluss auf den Rückgang von CO₂-Emissionen und den Kampf gegen den Klimawandel haben werden, da Fahrzeuge, Gebäude und andere Infrastrukturen mit Strom betrieben werden.

Wir werden mehr Photovoltaikanlagen und Windturbinen sehen und das ist gut so. Kohle- und Atomkraftwerke sind zwar auch schöne Industrieanlagen aber ihre Emissionen brauchen wir wirklich nicht. Letztendlich ist es das Jahrhundert der Solarenergie, „solar century“ eben.