Wie globale Unternehmen die Führungsrolle bei der Umstellung auf Strom aus 100% erneuerbaren Energien einnehmen

Ein historischer neuer Bericht belegt, wie eine Umstellung auf kostengünstigen Strom aus 100 % erneuerbaren Energien in nur wenigen Jahrzehnten möglich ist. Der Bericht gibt damit eine klare Richtung vor im Kampf gegen den Klimawandel. Der wahrscheinlich wichtigste Aspekt aber ist, dass dieser Prozess bereits begonnen hat – angeführt von globalen Unternehmen.

Von Frans van den Heuvel, Solarcentury

Da ein Umdenken beim Klimawandel durch wirtschaftliche und soziale Faktoren immer notwendiger wird, reduziert eine wachsende Zahl von Unternehmen ihr unternehmerisches Risiko, indem sie sich von zunehmend volatilen fossilen Brennstoffen abwenden und hoffen, dass dies zum Mainstream werden kann und wird.

Dies signalisiert ein bemerkenswertes Umdenken bei den meisten globalen Unternehmen, die Solarenergie in der Vergangenheit nicht einmal in Betracht zogen. Zwar gab es frühe Pioniere, aber der Ansatz „Mensch und Planet“ war als unternehmerischer Leitgedanke noch nicht geboren und weit davon entfernt, den Siegeszug anzutreten.

Im Jahr 2019 gibt es über 170 Unternehmen, die sich zu einer Umstellung auf 100 % erneuerbare Energien verpflichtet haben. 37 von ihnen sind ihrem Ziel bereits mit 95 % sehr nahegekommen. Führende Unternehmen wie Solarcentury-Partner IKEA und Unilever sowie Unternehmen wie Mars und Budweiser sind auf dieser vollständigen RE100Liste zu finden.

CO2-freie Wirtschaft im Aufwind

Wir stellen fest, dass Großunternehmen insbesondere mit Stromabnahmeverträgen (PPAs) in die Offensive gehen. Die Erschließung von erneuerbaren Energiequellen hat nicht nur erhebliche positive Auswirkungen auf den CO₂-Ausstoß, sondern auch auf die Wirtschaft. Laut der Internationalen Organisation für erneuerbare Energien IRENA sind heute über 10 Millionen Menschen weltweit in diesem Sektor beschäftigt. Durch das Engagement der Unternehmen steigt diese Zahl und es fließt erheblich mehr Kapital in erneuerbare Energien.  Laut Bloomberg NEF belaufen sich alleine die Investitionen der RE100-Mitglieder auf 94 Milliarden USD. Bloomberg NEF hat zudem errechnet, dass RE100-Unterzeichner im Jahr 2030 zusätzlich 197 TWh an nachhaltigem Strom kaufen müssen, um ihr Ziel von 100 % zu erreichen – und demzufolge auch neue Kraftwerke mit 100 GW Kapazität gebaut werden. Dieser Bedarf erfordert Investitionen in Höhe von 200 Milliarden USD über die nächsten 10 Jahre.

Unternehmen und erneuerbare Energien: Markt und Branchentrends (IRENA, 2018). 

CO2-freie Gesellschaft auf dem Vormarsch

Bei diesen Spitzenunternehmen ist eine CO₂-freie Produktion Teil ihrer Unternehmenskultur und sie machen sich öffentlich für die Umstellung stark. Dies ist eine neu entstehende, aber wichtige Initiative für die Führungsrolle der erneuerbaren Energien. Zu Beginn des Jahres brachte Budweiser seinen wegweisenden „Wind Never Felt Better“-Werbefilm heraus und zeigte ihn während des Super Bowls LIII.  Die Muttergesellschaft Anheuser-Busch hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 ihren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu beziehen und hat ihre Marke Budweiser mit einem neuen Label versehen: BREWED WITH 100 % RENEWABLE ELECTRICITY.

Unilever: vollständig CO2-frei

Im Mai 2019 gaben Unilever Tea Kenya, Solarcentury und CrossBoundary Energy einen 619-kWp-Solarpark für die Unilever-Teefabrik Kericho in Auftrag und damit die erste Solaranlage für das Unternehmen in Afrika südlich der Sahara.

Unilever ist eindeutig ein Aushängeschild für eine Welt mit nachhaltiger Unternehmenskultur. Bis 2030 möchte Unilever seine Produkte CO₂-positiv produzieren.  Als Mitglied der RE100-Initiative verpflichtet sich das Unternehmen dazu, bis zum Jahr 2030 100 % des gesamten Energieverbrauchs in seinen Betrieben aus erneuerbaren Energien zu beziehen, seinen gesamten Netzstrom sogar schon ab 2020.

Dieses Engagement kommt von ganz oben, denn in der Geschäftsleitung ist man fest davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit die einzige Möglichkeit ist, um das Unternehmen nach vorne zu bringen.  Und das belegt Unilever eindrucksvoll: Das Unternehmen hat in den letzten 10 Jahren für seine Anleger Dividenden von 300 % erwirtschaftet, mehr als das Doppelte des üblichen Marktniveaus. Im Jahr 2017 waren seine nachhaltigen Marken für 70 % des Wachstums verantwortlich.

Durch IKEA wird Solarstrom zum Mainstream

Mit 164.000 Mitarbeitern ist unser globaler Partner IKEA Group besonders ehrgeizig wenn es darum geht, bis 2020 so viel erneuerbare Energie zu produzieren, wie das Unternehmen selbst verbraucht.

IKEA sieht darin eine fantastische Möglichkeit für schnelleren Fortschritt und will sich kein Ziel bis 2050 setzen, sondern hat das Thema Nachhaltigkeit in seine Unternehmensstrategie für 2020 aufgenommen.

In Nordeuropa ist IKEA bereits unabhängig vom Stromnetz, es produziert mehr als es verbraucht. In Kürze wird dieses Ziel auch in den USA erreicht. Das Unternehmen hat weltweit über 1,5 Milliarden EUR in seine nachhaltigen Projekte gesteckt. Es besitzt und betreibt über 400 Windräder und installierte fast 900.000 Sonnenkollektoren auf seinen Geschäften und Distributionszentren, wie bei seinem Greenwich-Standort in London (siehe unten).

IKEA Greenwich solar

Zusammen mit Solarcentury geht IKEA noch einen Schritt weiter und bietet seinen Kunden günstige, einfach zu installierende Photovoltaikanlagen für die private Solarstromproduktion an. IKEA verkauft seinen Kunden in den Niederlanden, in Belgien, Deutschland, Polen, der Schweiz und neuerdings auch in Italien gebrauchsfertige Photovoltaikanlagen.

Während Staatsregierungen noch darüber nachdenken, wann die Umstellung erfolgen soll, zeigen fortschrittliche globale Unternehmen dem Rest der Welt, wie diese Umstellung auf 100 % erneuerbare Energien funktioniert. Auffällig ist, dass viele dieser Unternehmen die Umstellung innerhalb von 10 Jahren anstreben und damit demonstrieren, dass eine schnelle Umstellung nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist. Der Schlüssel zu einem wirklichen Wandel aber sind die Regierungen. Sie müssen diese Veränderungen akzeptieren und alle Hindernisse für Unternehmen aus dem Weg räumen, damit erneuerbaren Energien zum Mainstream werden. Zudem sollte eine Führungsrolle der globalen Unternehmen anerkannt werden, denn der Gewinn für die Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt ist sichtbarer als jemals zuvor.